Manuel ist hauptberuflich seit vielen Jahren stellvertretender Filialleiter bei Drinks of the World im Bahnhof Basel. Mit sehr viel Hingabe und Leidenschaft braut er nebenamtlich seine eigenen Biere. Was ursprünglich als Hobby angedacht war, hat sich in weniger zwei Jahren zu einem kleinen Geschäft mit vielversprechendem Potenzial entwickelt. Seine Bier-Kreationen sind mittlerweile so beliebt, dass sie sich weit über seinen Bekanntenkreis hinaus verkaufen.

 

 

 

Interview mit Manuel im November 2020

Seit Ende 2018 braust du deine eigenen Biere und, wenn ich das schon mal vorwegnehmen darf, verkaufst diese mittlerweile recht erfolgreich. Was hat den Ausschlag gegeben, ins Braugeschäft einzusteigen?

So richtig auf den Geschmack gebracht hat mich natürlich mein Beruf. Ich berate die Kunden bei Drinks of the World in Basel jeden Tag rund ums Thema Bier und lerne täglich dazu. Wir führen ja hunderte von verschiedenen Bieren – um bei einer solchen Auswahl kompetent beraten zu können, muss man selber sehr viel über Bier wissen und so einiges probiert haben. Und wenn man schon den ganzen Tag über Bier redet, dann ist natürlich der Schritt nicht mehr weit, bis man es selber mal versuchen will.

Meine Ausbildung zum Biersommelier hat mir dann eigentlich noch den letzten Kick gegeben und dann hat sich, mit viel Glück, plötzlich alles ergeben. Ich konnte eine günstige Brauanlage übernehmen und fand, wie durch Zufall, auch gleich noch die passenden Räumlichkeiten, denn so eine Brauanlage stellt man sich ja nicht einfach in die Küche oder ins Wohnzimmer.

Ab dann ging es eigentlich recht schnell, bis ich mit meinem ersten Bier gegen Ende 2018 loslegte.

Wobei, ich muss dazu auch sagen, dass ich die Arbeit schon sehr unterschätzt habe. Ich mache ja eigentlich alles selber, nicht nur das Brauen. Man muss ja auch das Bier dann abfüllen, die Etiketten auf die Flaschen kleben und dann natürlich die ganze Brauanlag laufend reinigen, was die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Dazu kommt das ganze Marketing und der Webshop, denn von alleine verkauft sich das Bier ja nicht. Klar hilft mir manchmal meine Familie oder Freunde, aber so im Grossen und Ganzen mache ich alles selber.

 

Du arbeitest ja Vollzeit, hast noch eine Familie und dann noch das ganze Bierbrauen. Kommt da nicht manchmal etwas zu kurz?

Ja, einige Abstriche muss man da schon machen, denn viel Zeit bleibt nicht mehr. Aber meine Familie unterstützte mich vom ersten Tag an und motiviert mich sehr stark, wenn ich mal einen Durchhänger habe. Das klingt jetzt schon nach sehr viel Druck, aber der Spass an der Sache ist schon sehr viel Grösser. Meine Familie und mein Freundeskreis kommen auf jeden Fall nicht zu kurz. Ganz im Gegenteil, ich beziehe sie recht stark in mein Braugeschäft mit ein. Manchmal wird es buchstäblich zu einem richtigen Familien-Event.

Und ein Familienmitglied steckt auch im Namen «Sunnybräu» – Unser Familien-Hund heisst Sunny. Also auch er ist indirekt mit dabei und wurde auf dem Logo und auf jeder Etikette verewigt. Das Logo hat übrigens eine Teamkollegin aus Basel wundervoll gestaltet.

 

Und wie viele Biere hast du bist jetzt schon gebraut?

Bis jetzt habe ich zwölf verschiedene Biere gebraut. Das ist zwar weniger als ich wirklich brauen könnte, aber ich gehe es lieber etwas langsamer an. Die Qualität ist mir sehr wichtig und vor allem auch, dass ein Bier jedes Mal genau gleicht schmeckt. Abgesehen davon ist es ja Nebenberuf, oder Hobby, wenn man so will. Spass, Qualität und die Liebe zum Detail haben Vorrang.

Bis jetzt habe ich NEIPA, IPA, Pale Ale, Baltic Porter, Golden Ale und Winterbier gebraut. Und dann haben wir natürlich noch mein Porter. Das liegt jetzt noch ein Jahr in einem Barrique Pinot Noir Fass zum Reifen. Auf das bin ich natürlich sehr stolz, denn ein fassgereiftes Bier ist schon etwas sehr Besonderes. Es wird auf alle Fälle super spannend.

 

 Auf welches Bier bist du besonders stolz?

Auf mein Baltic Porter und die Hopfenbombe. Beide sind mir sehr gut gelungen und sie verkaufen sich auch sehr gut.

Aber hinter so tollen Bier-Kreationen steht ja immer auch ein ganzer Lernprozess. Und da gehört halt auch dazu, dass mal ein Wurf in die Hosen geht. Das ist dann zwar im Moment sehr ärgerlich, wenn man die ganze Arbeit und Zeit buchstäblich in den Abfluss versenken muss, aber durch diese Misserfolge lernt man definitiv am meisten.

Zwölf Biere in knapp zwei Jahren ist ja nicht gerade wenig. Wie verkaufst du deine Biere?

Einerseits haben sich meine Kreationen über meinen Bekanntenkreis hinaus herumgesprochen und ich verkaufe viele Biere auf Anfrage. Anderseits verkaufe ich auch über den Webshop von Sunnybräu. Aber auch in Sachen Verkauf hatte ich Glück. Am Anfang habe ich meine Biere in der Drinks of the World Filiale in Basel verkauft. Da die Biere sich sehr gut verkauften, haben jetzt auch alle anderen Filialen in der Schweiz meine Biere in ihr Sortiment aufgenommen. Aber eben, schlussendlich ist es Geschäft. Wenn sich meine Biere bei Drinks of the World nicht gut verkaufen fliegen sie aus dem Sortiment raus. Das stachelt mich natürlich zusätzlich an, mein Bestes beim Brauen zu geben, denn ich will mich ja nicht blamieren.

 

Es gibt ja bereits so viele Brauereien und Biere. Kann man da überhaupt noch etwas Neues brauen und sich von der grossen Masse abheben?

Etwas Neues brauen kann man zwar immer, aber man muss ja das Rad nicht unbedingt immer wieder neu erfinden. Mir sind Qualität und Natürlichkeit sehr wichtig und dieser Anspruch definiert auch meine Biere. Ich braue deshalb ohne Zusatzstoffe und ausschliesslich naturbelassene Biere. Naturbelassen heisst, dass ich meine Biere nicht filtere, da sie so sehr viel an Geschmack verlieren würden.

Fast so wichtig wie die Qualität ist mir auch, dass mich meine Kunden aus der Umgebung kennen, wissen wer und was hinter Sunnybräu steht und wieviel «Herzblut» in meinen Bieren steckt. Klar rede ich gerne über Bier und über meine Bier-Kreationen und zeige noch so gerne meine Brauanlage. Aber genau das macht ja ein Craft-Bier aus – tolles Bier zusammen mit Erlebnissen und Stories.

Irgendwie ist es bei mir so, wie wenn man sich die Milch direkt vom Bauern holt. Man muss ja nicht gerade jede Kuh kennen, aber es ist toll, wenn man sieht wo die Milch herkommt und weiss, dass alles noch etwas natürlicher ist – Stallgeruch inklusive, respektive bei mir halt Brauereigeruch.

 

Planst du schon den Schritt in die Selbständigkeit in deiner eigenen Brauerei?

Klar ist das schon etwas im Hinterkopf, aber ich wachse gerne langsam. Abgesehen davon macht mir der täglich Kundenkontakt bei Drinks of the World schon auch sehr viel Spass und gibt mir natürlich auch viel Inspiration für neue Brau-Projekte. Abgesehen davon läuft die Zeit ja nicht davon. Die Craft-Bier Szene wird sich weiter entwickeln und der Bedarf nach natürlichen Craft-Bieren wird weiterhin wachsen.

Bevor ich mir aber über die Selbständigkeit ernsthaftere Gedanken mache, braue ich noch einige Biere. Ein paar IPA’s, Pale Ales und auch einige Porter-Biere habe ich bereits auf meiner «To Do-Liste». Und solange ich Beruf, Hobby und Familie so toll unter einen Hut bringe, gibt es wenig Anreiz an dieser Kombination etwas zu ändern.

 

 

Übrigens finden Sie einige Biere von Sunny Bräu exklusiv bei Drinks of the World.