Ein Hoch auf das Rauchbier!

Ein Hoch auf das Rauchbier!

Ein Hoch auf das Rauchbier!

Ein Hoch auf das Rauchbier!

Es war vor fast zwanzig Jahren, als ich mein erstes Rauchbier hatte und, um es gleich vorweg zu nehmen, mir schmeckte es überhaupt nicht. „Was soll das?“ habe ich mich gefragt und „Das isch doch gruusig“ gedacht. Und „Wer trinkt denn sowas überhaupt?“ und heute kann ich diesen Bierstil so geniessen wie nur wenig andere. Was ist passiert?

 

In den letzten 20 Jahren hat sich viel in der Bier-Landschaft verändert

Zum einen war die Bier-Landschaft in der Schweiz vor zwanzig Jahren noch eine komplett andere als die von heute. Es wurde eigentlich ausschliesslich Lagerbier getrunken, das Bierkartell hallte immer noch nach, von Craft-Bier hatte ausser ein paar amerikareisende Biernerds noch keine*r etwas gehört und es gab gerade mal zwei, drei Bierläden. Die hatten sich primär darauf spezialisiert Biermarken zu verkaufen, die man sonst nicht bekam und natürlich auch von anderen Ländern. Das erweiterte auch die Vielfalt der Bierstile, und zwar um Weizen und Pilsener aus Deutschland, Red and Brown Ales sowie Stouts aus England, Schottland und Irland. Hinzu kamen noch belgische. Die Fruchtbiere von dort gehörten zum exotischsten, das man finden konnte. Zusammen mit den Geuzen, die eigentlich ausser einer Handvoll Menschen, die einen Bezug zu Belgien hatten, auch niemand lecker fand (hier gilt für mich dasselbe, wie oben schon beschrieben: Mir schmeckten die vor 20 Jahren überhaupt nicht, heute gehören sie zu meinen absoluten Favoriten) und eben den Rauchbieren.

 

Auch mein Geschmack ist heute ein anderer

Was sich natürlich ebenfalls verändert hat in dieser Zeit, ist mein Geschmack. Und das hängt natürlich auch mit dem veränderten Angebot zusammen. Ich bin einfach jemand, der sehr gern Neues ausprobiert. Ich kann nicht immer nur das gleiche Bier trinken. Nicht mal immer nur den gleichen oder immer nur ähnliche Bierstile, ich mag die Abwechslung und so habe ich alle Arten von Bieren durchprobiert. Süss, sauer, bitter, umami… Ebenso habe ich schon seit jeher jedem Bier eine zweite Chance gegeben. Hier habe ich erklärt, weshalb man das unbedingt tun sollte und habe gemerkt, dass es Bierstile gibt, die umso besser werden, je öfter man sie probiert und das trifft natürlich vor allem bei Stilen zu, die wirklich extravagant sind.

 

Ist Rauchbier extravagant?

Aber ist denn Rauchbier wirklich so extravagant? Klar, wer zum ersten Mal an so einem Bier nippt, erschrickt erstmal. Es riecht und schmeckt wirklich stark nach geräuchertem Speck. Das ist schon gewöhnungsbedürftig. Aber früher haben wohl praktisch alle Biere so geschmeckt. Der Grund dafür liegt in der Malzherstellung: Das Malz muss für die Bierherstellung getrocknet werden. Neben der Sonnentrocknung, die klimatisch nicht in allen Regionen möglich war, kam dabei ein offenes Holzfeuer zum Einsatz. Hitze und Rauch durchströmten das Grünmalz, entzogen ihm so die Feuchtigkeit und machten es gleichzeitig haltbar. Während der Industrialisierung wurden dann neue Techniken entwickelt, die den Einsatz spezieller Heizungen auf der Basis fossiler Brennstoffe wie Kohle bzw. Koks erlaubten. Da diese Verfahren kostengünstiger und einfacher in der Handhabung waren, verdrängten sie nach und nach die alten Rauchdarren.

 

Bamberg – Hauptstadt des Rauchbiers (heute)

In Bamberg, Deutschland, gibt es heute noch zwei Brauereien, die eine eigene Mälzerei haben und bis heute ihr Malz nach alter Art darren. Schlenkerla ist eine davon und die machen einfach sagenhafte Biere. Neben dem Rauchmärzen und dem Rauchweizen, dass du in einigen unserer Läden findest, brauen sie noch andere, teils saisonale Rauchbiere, die ebenfalls ziemlich lecker sind. Solltest du einmal im süddeutschen Raum unterwegs sein, lohnt sich ein Abstecher in die schöne Innenstadt Bambergs auf jeden Fall. Das Kellergewölbe der Schlenkerla-Brauerei versprüht einen ganz eigenwilligen Charme. Es riecht nach deftigem Essen und rauchigem Schankbier. Aber wenn du dir jetzt dieses Feeling nach Hause holen willst, begehe nicht den Fehler und denke, dass dieses Bier super zu geräuchertem Schinken oder Speck passen würde. Diese Kombination wäre wirklich „too much“. Hier kann sogar für einmal getrost komplett auf Fleisch verzichtet werden. Besonders gut harmoniert dieses Bier zum Beispiel zu einer Grillgemüse-Plate mit Maiskolben, Paprikaschoten, Auberginen und diesen grossen, roten Zwiebeln, dazu Baked Potatoes, Tomaten und grosse mit Frischkäse gefüllten Champignons. Alles über dem offenen Feuer gegrillt versteht sich. Hmmmmm… ich bekomme nur schon vom Schreiben Appetit.

 

Rauchbier lässt sich hervorragend blenden

Dieser alte, traditionelle Bierstil wird auch ab und an mal von einer kleineren Craft Brewery aufgegriffen. Die trauen sich dann auch an so fancy Sachen wie „Smoked IPA“. Leider allerdings viel zu selten. Deshalb kommt jetzt noch ein Profi-Tipp zum Schluss: Selber blenden. Ernsthaft jetzt, einfach ein paar Freunde einladen und los geht die lustige Grill- und Bierblend-Party. Rauchbier kann man super mit normalem Lager blenden (wenn das Original einem zu extrem ist), mit einem richtig herben deutschen Pils, wie zum Beispiel Jever, mit einem Double IPA oder Imperial IPA, natürlich mit einem Imperial Stout und sogar eine Gose eignet sich dafür.

 

So, viel Spass jetzt beim Ausprobieren und ein herzliches Prost.

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