Ferien und Bier

Ferien und Bier

Ja, da freut man sich doch drauf. Auf beides. Auf die Ferien und das Bier in den Ferien, denn im Urlaub, so sagt man, schmecke das Bier gleich doppelt so gut. Aber welches Bier eigentlich genau? Es gibt zum Beispiel Leute, die nehmen ihr Bier in den Urlaub mit und dann gibt es wiederum welche, die das total daneben finden. Im Urlaub müsse man sich doch dem lokalen Bier widmen, immerhin sei das doch genau ein Bestandteil der Kultur der Gegend, in der man sich gerade befinde. Ich sage: Beide haben recht und praktiziere jeweils selbst einen schönen Mix aus Beidem.

 

Probieren gehört im Urlaub dazu…

Zuerst einmal muss man bei denen, die ihr Bier in den Urlaub mitnehmen, nach den Gründen unterscheiden. Zum einen gibt es die, die praktisch ihr ganzes Leben lang ihre Marke trinken, weil sie sehr schnell gemerkt haben, dass es ihnen einfach am besten schmeckt. Die wollen nicht das Risiko eingehen, im Urlaub, der ja eine schöne Zeit sein soll, Bier trinken zu müssen, das ihnen nicht schmeckt, weshalb sie ihre Lieblings-Sorte mitnehmen und das gleich kistenweise. Die trinken die ganzen Ferien lang nichts anderes. Der Beweggrund dazu ist natürlich absolut nachvollziehbar, trotzdem finde ich es schade. Gerade, wenn man sein Lieblingsbier eh schon mitnimmt, schadet es doch nicht, immer wieder mal ein Produkt einer lokalen Brauerei zu probieren. Denn wenn man nicht probiert, kann man auch nichts entdecken. Und auch wenn zwischendurch mal etwas dabei ist, dass man jetzt nicht wahnsinnig toll findet, so ist das doch nur halb so wild, denn man hat ja sein Lieblingsbier immer noch dabei und kann sich danach immer noch ein solches gönnen. Meistens ist es aber sowieso umgekehrt: Man probiert etwas Einheimisches und ist positiv überrascht, wie lecker das schmeckt.

 

…manchmal auch gezwungenermassen

Einmal sass ich Kuba an einer Bar vor einem kubanischen Bier, als ein Amerikaner sich neben mich setzte und ein Heineken bestellte. Die Barfrau versuchte ihm klarzumachen, dass es das hier nicht gebe, sie aber zwei kubanische Biere hätten. Gut man könnte natürlich, bevor man in ein fremdes Land reist, sich vorab etwas darüber informieren, aber man kann sich auch überraschen lassen und dann immer noch klarkommen damit, wie es ist. Dass es kein amerikanisches Bier geben würde, hatte er wohl schon befürchtet, aber das mit dem Heineken leuchtete ihm anscheinend nicht ein. Er begann tatsächlich mit der Barfrau zu diskutieren – als ob das an der Situation etwas ändern würde – dass das nun aber schon sehr speziell wäre, Heineken sei doch bekannt dafür, dass man es auf der ganzen Welt bekäme, und das zu Recht übrigens, immerhin wäre es ja auch ein superfeines Bier. Die Barfrau in ihrer kubanischen Gelassenheit nahm das völlig ruhig hin, fragte, ob er denn nun lieber ein Bucanero oder ein Palma wolle, wonach dieser wieder mit seinem Heineken anfing. Ich bin sonst ja überhaupt nicht so, aber nun musste ich mich einmischen. Ich erklärte ihm mit meiner ganzen Freundlichkeit, die ich aufzubringen in der Lage war, er solle nun doch einfach mal dieses Bucanero probieren, das ich auch gerade trinke und merkte noch an: „also so gut wie Heineken ist das allemal. Ganz ehrlich.“ Als er den ersten Schluck nahm, sah ich ihm richtig an, wie es ihm eigentlich schmeckte, er es aber nicht zugeben konnte. 15 Minuten später bestellte er sich noch ein Bier. Nicht etwa eines der zweiten Marke, sondern nochmals das gleiche. Ich fragte ihn, ob es in dem Fall also doch gut war, und er sah sich gezwungen, dies mit einem leicht unterdrückten Lächeln zuzugeben. Ich will gar nicht wissen, was solche Leute alles verpassen…

 

Die eiserne Reserve von zu Hause

Und dann gibt es noch die (wahrscheinlich extrem wenigen) wie mich, die einfach ein paar verschiedene Bierspezialitäten mitnehmen. Ich zum Beispiel durchsuche meinen Bierkeller nach Bieren, die schon lange dort unten stehen, weil ich sie für „einen besonderen Anlass“ aufgespart habe. Also bitte, was ist denn ein besonderer Anlass, wenn nicht Ferien? Und da wir meistens mit dem Campingbus unterwegs sind und eigentlich beide gar nicht so gerne in die Städte rein gehen, kann es schon sein, dass es ein paar Tage, oder noch wahrscheinlicher Wochen dauert, bis wir zu einem Craftbier-Shop kommen. Weshalb ich das mit dem mitgebrachten Bier wirklich keine schlechte Idee finde. Aber trotzdem nehme ich auch in jedem „normalen“ Laden, in dem wir jeweils unser Essen einkaufen, auch ein, zwei lokale Biere mit. Ich habe auf diese Art wirklich schon viele gute Biere entdeckt.

 

Ein lokales Bier schmeckt «vor Ort» am besten

Und so scheinen es auch die meisten Leute zu handhaben, denn nach jeden Ferien, werden wir täglich mit denselben Fragen konfrontiert. „Habt ihr das Bier XYZ? Ich hatte das in Dortundtort und das war so mega-lecker!“ Und wenn wir es dann haben, sind sie enttäuscht, dass es nicht mehr gleich gut schmeckt, und ich darf ihnen dann erklären, wie viel hier das ganze Drumherum mitspielt. Dass ein Bier in einem fernen Land an einem sonnigen Palmenstrand mit lauter schönen, halbnackten Menschen einfach besser schmeckt als in der grauen Stadt nach der Arbeit im Regen. Also, versuche es gar nicht. Trink das Bier dort, wo es herkommt, komm zurück und versuche hier wieder neue Sachen. Sich an den Urlaub zu Erinnern geht auch ohne entsprechendes Bier.

Hier geht das Abenteuer weiter. Es gibt noch so viele Biere, die entdeckt werden wollen.

Prost!

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