Warum ich die Craft-Beer-Festivals nun doch langsam vermisse

Warum ich die Craft-Beer-Festivals nun doch langsam vermisse

Hier habe ich vor acht Monaten, also ca. fünf Monate nach dem ersten Lockdown erklärt, weshalb ich diese Festivals nicht vermisse. Ich habe mich zuvor in meinem Umfeld etwas umgehört und vielen meiner Kollegen ging es ähnlich. Wir hatten alle ein wenig den „Overkill“. Solche Bierfeste gab es damals unterdessen an jeder Ecke und jährlich kamen neue dazu und irgendwie waren die alle einander so ähnlich. Aber jedes wollte die neuesten hippen Biere und die verrücktesten Neuentdeckungen an Brauereien am Start haben. Und doch hatte man irgendwie alles schon mal gesehen. Das Verbot solcher Veranstaltungen kam für mich also in einer richtigen Zeit. Ich vermisste sie tatsächlich nicht. Allerdings stellte ich parallel zu dem entsprechenden Blogeintrag auch eine Umfrage in die Instagram-Story, weil es mich interessierte, wie das in unserer Community so aussah. Und es sah um einiges weniger deutlich aus als in meinem Umfeld. Wenn ich mich richtig erinnere, vermissten ca. 40% der Leute diese Events nicht, 60% hingegen schon.

 

Langsam vermisse auch ich die Craft-Bier-Festivals

Heute würde ich auch dafür stimmen, dass ich sie vermisse. Das hat nur bedingt damit zu tun, dass ich schon so lange, wie ich mich erinnern kann, an überhaupt keiner Veranstaltung mehr war. Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen einem Club-Konzert einer Band, die mir gefällt und einer Biermesse, würde ich mich immer noch für die Musik entscheiden. Aber Bier und Musik verbindet vieles. Beides kann man auch zu Hause geniessen, macht aber in Gesellschaft einfach mehr Spass. Ich würde mich nun nicht einmal als besonders geselligen Menschen bezeichnen, aber zwischendurch mag ich es einfach, ein wenig zu fachsimpeln. Ein Bier hier zu Hause im Garten genossen, bringt mir durchaus Freude. Ich kann mir eines aussuchen, das perfekt zu meinen Gelüsten und der Situation passt und ich kann es so richtig geniessen. Und während ich das dann so vor mich hin geniesse, frage ich mich, was man an diesem Bier eventuell auch nicht mögen kann…

 

Viele verschiedene Meinungen gehören dazu

Das klingt auf Anhieb zwar komisch, aber ich mag es total, wenn andere Leute auch andere Meinungen haben als ich. Und das ist etwas, das auf Craft-Bier-Festivals passiert. „Hmmm….  Etwas zu viel Bitterhopfen für meinen Geschmack.“ „Nein, ich finde genau die Ausgewogenheit zwischen Bitter- und Aromahopfen macht hier das gewisse Etwas aus.“ Oder: „Wow, das ist ja toll. Mal was ganz anderes.“ „Ja, also mir ist das zu fancy. Etwas stiltypisch darf ein Bier schon sein.“ Oder ein Klassiker: „Wie jetzt zu Currywurst?! Da gehen doch die ganzen Feinheiten unter. Da darfst du doch allerhöchstens salzige Kartoffelchips zu servieren. Wenn überhaupt.“ Gut, verschiedene Meinungen zu Bieren bekomme ich schon, wenn wir uns zu dritt drei Feierabendbiere teilen, oder ich zwei, drei Kumpels zu mir auf eine Bier-Degustation einlade, also kann das doch nicht das Einzige sein, was mir fehlt.

Festivals bieten das gewisse „Etwas“

Es ist eben doch das ganze Drum und Dran. Vor allem auch das Entdecken von neuen Bieren und sogar Brauereien. Oder einfach auch wieder mal ein Bier, frisch gezapft vom Fass zu degustieren, was einfach nochmal etwas anderes ist. Oder diese Brettchen, in denen man gleich vier, fünf oder sechs Biere zur Degustation bekommt, optimalerweise noch mit einem Beschrieb dazu. Das macht einfach schon Laune. Es sind nicht die überfüllten Hallen, auf die könnte ich gut verzichten. Es sind nicht die ganzen Biersommeliers-Kollegen, die vor allem kommen, um sich zu zeigen und, um zu zeigen, dass sie da waren, um zu networken, wie man so schön auf neudeutsch sagt. Und es ist nicht das gesellige Beisammensein. Es ist das Erlebnis „Bier“ als solches. Es ist etwas, das man nicht erklären kann, wenn man es noch nie erlebt hat. Etwas das jetzt in dieser Zeit fehlt.

Bierfestivals dürfen ruhig etwas kleiner und gemütlicher werden

Wahrscheinlich werde ich ans allererste Craftbier-Festival, das es wieder geben wird, rennen und nach ca. zwei Stunden wieder gehen, denn länger halte ich das eh nie aus. Aber das wird ein richtig toller Tag für mich werden. Vielleicht der tollste seit langem. Und bis dahin werde ich einfach mal ab und an einer kleinen, lokalen Brauerei einen Besuch an ihrem Rampenverkauf abstatten und so wie es aussieht können wohl so kleine Events im Freien, wie zum Beispiel das Bülacher Bierfest Anfangs Juni wieder stattfinden. Und vielleicht kommen andere Festivals auch auf die Idee, wieder mal alles einen Gang runterzuschalten. Es etwas kleiner und gemütlicher zu halten und vielleicht nach draussen zu verlegen. Diese Pandemie hat schon sehr viele dazu bewegt, kreativ zu werden und wenn das nun auch bei Veranstaltern von Bierfestivals möglich sein sollte, so hätte ich auch nichts dagegen.

Also, das ist schon ein Phänomen, wie ich mich hier selbst immer durstig schreibe. Ich werde jetzt mal ein paar Freunde anrufen und dann veranstalte ich hier heute Abend mein eigenes Mini-Craftbier-Festival in unserem Garten. Ganz spontan. Spezielle Biere habe ich ja genug.

Prost.

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