Warum man eine Bierflasche mit einem Flaschenöffner öffnen soll

Warum man eine Bierflasche mit einem Flaschenöffner öffnen soll

Ich habe wirklich keine Ahnung, wie lange die das schon da draufstehen haben. Gesehen habe ich es gerade erst neulich. „Use Opener to enjoy safely“ steht da auf dem Kronkorken der Guinness Draught-Flasche. Zuerst stutzte ich ein wenig. Solche Sprüche kennt man doch sonst eher von Produkten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings hielt mein Stutzen nicht allzu lange an. Denn ich erinnerte mich plötzlich an eine alte Geschichte.

 

Keine Kante, die sich nicht als Flaschenöffner verwenden lässt

Früher, als ich noch keinen dieser Mini-Flaschenöffner am Schlüsselbund hatte, machte ich mein Bier jeweils mit allem möglichen auf. Mein Bruder schenkte mir irgendwann mal ein Buch namens „100 Möglichkeiten eine Bierflasche zu öffnen“ oder so ähnlich. Ich bedankte mich artig, wie man das gelernt hat, verschenkte das Buch aber bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit weiter. Ich brauchte das nicht. Denn wenn man einmal verstanden hat, warum und vor allem wie das mit dem Feuerzeug funktioniert – Spoiler-Alarm: Hebelwirkung – dann lässt sich nämlich praktisch jeder feste Gegenstand zu einem Flaschenöffner umfunktionieren. Diese Dinger werden übrigens nicht ohne Grund auch Kapselheber genannt. Anyway, als Jugendlicher lernte ich, wie das mit dem Feuerzeug geht und testete mich durch. Mit der Übung kam die Routine und irgendwann war es das normalste der Welt, die Flasche einfach irgendwie, irgendwo zu öffnen. Bis vor kurzem, bevor sie auf die Idee kamen, die Kanten abzuflachen, ging das übrigens auch super mit dem Handy. Aber natürlich funktioniert es auch an jeder anderen, also auch feststehenden, harten Kanten. Sicher sinnvoll ist es zum Beispiel, die Flasche direkt am Schlitz eines dieser öffentlichen Abfalleimer zu öffnen; Mit etwas Geschick entsorgt sich dann der Kronkorken direkt selbst im Schlitz. Aber genug der Beispiele – jetzt fängt die eigentliche Geschichte ja erst an.

 

Aus Schaden wird man klug

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, ich arbeitete noch in der „Drinks oft he World“-Filiale im Zürcher HB. Meine Pause hatte gerade begonnen, es war Sommer und ich wollte mir vis-a-vis in der Migros etwas zu Essen und zu Trinken holen. Ich habe ja hier an anderer Stelle schon mal erklärt, dass ich, was Produkte, die mich interessieren anbelangt, eher ein neugieriger Mensch bin und vieles von dem auch probieren will. So begab es sich, dass ich ein neues alkoholfreies Panaché aus dem Kühlschrank zog, es draussen irgendwo öffnete, ansetzte und auf Anhieb ziemlich lecker fand. Der zweite Schluck schmeckte dann seltsamerweise schon etwas metallisch und erst, als ich zum dritten Schluck ansetzen wollte, bemerkte ich, dass mir Blut aufs T-Shirt tropfte. Ich hatte mir die Lippe derart scharf aufgeschnitten, dass ich nicht mal einen Schmerz verspürte. Naja, kann ja so schlimm nicht sein, dachte ich, drückte die, dem Sandwich beigelegte Serviette drauf und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Park. Dort angekommen, nahm ich die Serviette runter und war einigermassen überrascht, wie durchtränkt die schon war und, dass das Bluten nicht schon aufgehört hat. Wenn ich mal Nasenbluten habe, lege ich kurz eine Minute den Kopf in den Nacken und gut ist’s. Das hier fand ich etwas merkwürdig. Na gut, dann eben schnell in die Permanence. Hat es ja eine im Bahnhof. Vielleicht haben die ja spezielle Pflaster oder so…

 

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Ja, das wäre schon relativ tief, meinten die dort. Aber an der Lippe könnte man ja nicht nähen, ich solle mich mal bitte hinlegen. Das Ganze wurde dann erst mal eine ganze Weile mit Eis gekühlt, danach getrocknet und dann kam so ein Pflaster drauf. Ich merkte noch kurz an, dass ich bald wieder zur Arbeit müsse, aber sie meinten nur „Ui, nein, das wird wohl nichts, sorry“ Ich fragte, ob das ernst gemeint sei, ich meine, wir reden hier von einem kleinen Schnitt in der Lippe – Hallo? Aber ja, Blicke sagen mehr als Worte. Ich rief im Laden an und sagte, dass ich wohl nicht mehr kommen könne, heute und erzählte von meinem Missgeschick.

 

Eine Stunde später kam einer meiner Kollegen mich besuchen. Ja, ich lag tatsächlich immer noch dort, denn als sie das Pflaster wechseln wollten, begann es wieder zu bluten und unterdessen tat es auch langsam weh. Und als ob das nicht schon nervig genug wäre, lacht mich der Kollege auch noch aus, weil ich mir an einem alkoholfreien Bier die Lippe aufgeschnitten habe. Na toll, jedenfalls lag ich noch eine ganze Weile dort, ehe ich ziemlich frustriert den Heimweg antrat. Ich traute mich fast nicht zu sprechen und musste meiner Freundin zu Hause ganz vorsichtig erklären, was passiert war. Ich wurde ein zweites Mal ausgelacht, weil sie es mir ja schon immer gesagt hätte, dass das irgendwann einmal passieren würde und ja, was soll ich sagen? Irgendwie war das das letzte Bier, das ich nicht mit einem Flaschenöffner aufgemacht habe.

 

Man lernt ja dazu…

Bereits am nächsten Tag holte ich mir so ein Mini-Teil und heute ist es so normal für mich eine Flasche damit zu öffnen, dass ich mich schon über Hinweise wundere, dass man doch bitte einen Öffner nehmen soll. Schon irgendwie lustig.

Anyway, die Moral der Geschichte ist jetzt klar. Wenn ich dich damit unterhalten konnte, auch gut.

Ich gehe jetzt ausnahmsweise mal nicht in den Keller – dort stehen nur Flaschenbiere – im Kühlschrank stehen noch Dosen…

Cheers!

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