Lieblingsbrauereien Teil 2: Brewdog

Lieblingsbrauereien Teil 2: Brewdog

Nachdem ich hier letztens mal die Rügener Inselbrauerei vorgestellt habe, möchte ich heute kurz über eine weitere meiner Lieblingsbrauereien schreiben. Über Brewdog nämlich. Warum?

 

Brewdog – ein alter Bekannter

Brewdog kenne ich schon relativ lange. Wir gehörten mit zu den allerersten, die ihre Biere in der Schweiz verkauften. Das muss vor geschätzt 12 – 13 Jahren gewesen sein, denn, man mag es kaum glauben, diese Firma gibt es erst seit 16 Jahren. Unglaublich deshalb, weil sie 16 Jahre nach ihrer Gründung als Garagenbrauerei nicht nur zwei Brauereien in Schottland haben, sondern auch eine, samt dazugehörigem Hotel, in den USA (hier hat unser ehemaliger Mitarbeiter Fabian darüber berichtet), eine in Australien und in Berlin haben sie ja die von „Stone Brewing“ übernommen und in eine Brewdog-Brauerei samt dazugehörigem riesigen Bistro umgewandelt. Dazu kommen noch weltweit über 90 (!) Bars dazu. Aber wie machen die das? Ich erzähle das gleich. Doch erst eine kurze Geschichte dazu, wie alles begann.

 

Punk IPA machte den Anfang

Die beiden Freunde Martin Dickie und James Watts langweilten sich ab den Lagers und Ales, die den britischen Markt dominierten und brauten mikro- und hobbymässig in einer Garage ihr eigenes Bier. Sie verkauften es ab und an mal an einem Stand eines Marktes in der Region, mehr nicht. Da sie durchs Band weg positives Feedback bekamen und auch selbst von ihren Bieren überzeugt waren, wollten sie einmal die Meinung eines Profis bekommen. Michael Jackson – nein, nicht der Sänger – war eine DER Bierkoryphäen schlechthin. Ihm schickten sie zwei oder drei ihrer Biere und baten ihn um seine ehrliche Meinung. Dieser antwortete ihnen, dass das wohl das sei, was sie könnten und, dass sie das wirklich professionell tun sollten. Zwei oder drei Jahre später, nachdem sie die Kredite zusammen hatten, gründeten sie die Brauerei. Das war schon etwas mutig, denn damals schrumpfte der Markt sogar. Wie haben sie das also alles geschafft? In ihrem Buch „Business for Punks“ erklären sie es so: Sie versuchten gar nicht erst im etablierten Markt Fuss zu fassen, sondern wollten mit ihren Bieren eine völlig neue Zielgruppe erschliessen. Dieser Ansatz ist so einfach, wie auch genial. Ihr allererstes Bier war das „Punk IPA“. Heute das mit Abstand meistgetrunkene Craftbier im vereinigten Königreich.

 

Brewdog war mitverantwortlich für die Craftbier-Bewegung in Europa

Dieses Bier war mitverantwortlich für die „Craftbier-Revolution“ sag ich jetzt mal in Europa. Natürlich ist das IPA ein alter, traditioneller englischer Bierstil, er ging allerdings vergessen und in den Pubs gab es fast ausschliesslich die typisch englischen Red and Brown Ales. Irgendwann kreierten die Kids, die ihre Sommerferien auf Ibiza oder Mallorca verbrachten, eine Nachfrage nach Lagerbier, was aber auch nicht so der Burner war, wenn man etwas Ausgefalleneres sucht. Ihre neue, moderne Interpretation eines IPAs mit einer ganzen Ladung unterschiedlicher Aroma-Hopfen, war also genau das, worauf die Leute warteten. Und auch für mich, der damals noch nicht sehr lange in diesem Bierladen arbeitete, war das eine Offenbarung. Zudem waren die Etiketten so komplett anders als alles andere. Punkig und trashig. (Als andere Brauereien begannen diesen Stil zu kopierten, schwenkten sie wieder um.) Auch die anderen Biere der Marke gefielen mir ziemlich gut und ich blieb an der Brauerei dran.

 

Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell

Die beiden wussten, dass sie schnell wachsen mussten, um nicht unterzugehen und kamen auf die Idee ihre künftigen Schritte via Verkauf von Anteilsscheinen zu finanzieren. Keine Aktien im herkömmlichen Sinne. Sie werden wohl nie an die Börse gehen oder Dividenden auszahlen, aber man bekommt eine ganze Menge Benefits als „Equity Punk“. So bekommen diese die streng limitierten Biere immer zuerst (und oft auch als einzige) und sie haben lebenslänglich Rabatt in den Bars und im Onlineshop. Alleine dadurch habe ich mein Investment wahrscheinlich schon wieder raus, aber ich könnte die Anteilsscheine auch online handeln. Dieses geniale System macht es ihnen möglich, seit bald zehn Jahren die am schnellsten wachsende Food and Beverage Company UKs u sein. Es ist aber nicht alleine das, was das Brewdog-Flair ausmacht. Es ist ihr ganzes punkige Auftreten, ihr unorthodoxes Marketing und halt immer wieder: Ihre herausragenden Biere.

 

Innovation scheint Strategie zu sein

Man merkt, dass sie Hopfenfans sind und dass sie alle Versionen von Pale Ales und IPAs beherrschen, und trotzdem kommen sie dann plötzlich wieder mit einem Imperial-Stout um die Ecke, das einen fast umhaut. Vor ein paar Jahren bauten sie eine eigene Sauerbier-Brauerei, damit sie nicht nur die üblichen Kettle-Sours herstellen können, sondern auch richtig nach alter belgischer Tradition Spontangärige. Diese Kreationen laufen unter dem Label „Overworks“ und kommen ebenfalls ehr gut an, und zwar nicht nur bei den Biernerds, sondern auch immer mehr beim breiten Bier-Publikum.

 

Brewdog-Biere muss man probiert haben

Mir ist völlig klar, dass sich dieser Artikel wie das Geschreibsel eines Fanboy liest, ebenso ist mir bewusst, dass es auch Menschen gibt, die mit den Brewdog-Bieren nicht so viel anfangen können und das ist völlig okay. Geschmack ist und bleibt nun mal Geschmackssache. Aber falls du dich vielleicht noch nicht so richtig oder noch gar nicht mit dieser Brauerei befasst haben solltest, wäre mein Vorschlag: Probiere mal eines oder zwei und mach dir ein eigenes Bild.

 

Ich meinerseits lasse nun den Tag mit einem schönen Punk IPA ausklingen, denn genau darauf habe ich jetzt Lust.

Cheers!

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