Liebeserklärung an das Craft-Bier

Schon so oft habe ich hier verschiedene Bierstile gelobt oder gar einzelnen Bieren die Ehre eines eigenen Beitrages erwiesen, aber diesmal soll einmal das Craft-Bier an sich eine Huldigung erfahren. Warum? Mir ist letztens nämlich aufgefallen, dass ich mich noch nie mit etwas über so lange Zeit so intensiv beschäftigt habe, wie mit Bier. Und zwar sowohl beruflich als auch privat.

 

Vom Hobby zum Beruf

Ich habe bislang fast immer mein Hobby zum Beruf gemacht, oder umgekehrt. Als sehr junger Mann hat mich Musik total begeistert. Ich kannte nicht nur alles, was kommerziell erfolgreich war, ich entdeckte bald auch die schrägen Genres abseits des Mainstreams und wollte auch mit dem beruflich zu tun haben. Ich habe CDs und dazumal natürlich noch Schallplatten verkauft – in einer damals noch richtig grossen Abteilung eines Warenhauses sowie in einem extrem coolen Spezial-Geschäft. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto tiefer kam ich rein und umso mehr machte ich auf diesem Gebiet. Zusammen mit Freunden veranstaltete ich Konzerte und Partys und irgendwann habe ich noch eine Punk-Band gemanaged. Aber irgendwann wurde es einfach zu viel, ohne dass ich es direkt merkte. Meine privaten Interessen verschoben sich immer mehr. Ich ging immer öfter ins Kino, wurde zum kompletten Film-Fan und wusste irgendwann plötzlich, dass das mein neues Ding war. Ich habe zusammen mit ein paar Jungs einen der ersten grossen DVD-Shops aufgezogen, hatte lange Zeit grosse Freude dabei, aber nach circa sieben Jahren, also ziemlich gleich lang, wie bei der Musik, wurde es wieder langweilig und ich bewarb mich eines Tages in dem Laden, in dem ich jeden Abend mein Feierabendbier gekauft hatte. Und das war (ich habe hier bereits darüber geschrieben) Drinks oft he World.

 

Bier hat seine magische Anziehungskraft behalten

Das Ganze ist nun schon 19 Jahre her und ich habe mich neulich gefragt, weshalb mich das mit dem Bier nicht wieder nach den magischen sieben Jahren zu langweilen begann. Nun, da gibt es ein paar Gründe. Zum einen habe ich nach ein paar Jahren meine Arbeitszeit um 20% reduziert, später merkte ich, dass ich den gleichen Fehler zu machen schien, den ich schon zuvor begannen habe. Ich habe meine privaten Tätigkeiten, was Bier betrifft, auf ein absolutes Minimum reduziert. Ich veranstalte in meiner Freizeit keine Bierschulungen und auch keine Degustationen mehr und gehe kaum an Craft-Bier-Festivals oder ähnliche Events. Ich habe in letzter Zeit tatsächlich wieder Freude an der Musik bekommen. Durch die Abgrenzung profitiert beides davon und die Angst eines drohenden Bier-Overkills ist weg.

 

Craft-Bier ist so lebhaft, dass keine Routine aufkommt

Das sind wie gesagt ein paar Gründe, aber der wichtigste Grund, dass ich immer noch Freude an der ganzen Materie habe, ist ein anderer, nämlich das Craftbier selbst und seine schier unendliche Vielfalt. Wenn man, wie ich, offen für die ganze Bandbreite ist, nicht nur seine paar Lieblingsbiere trinkt und auch gerne mal Neues probieren und entdecken will, dann macht das einfach riesig Spass. Und nicht nur die Vielfalt, sondern, und das wirklich in ebenbürtigem Masse, die relativ rasante Veränderung der Bierkultur. Die finde ich wahnsinnig interessant zu beobachten. Hier spreche ich nun natürlich vom Craft-Beer-Boom, der dafür wesentlich mitverantwortlich ist. Parallel dazu stellt man ja auch seit Jahren die Tendenz fest, dass generell weniger Alkohol getrunken wird, dafür aber hochwertigerer. Und ebenfalls lässt sich feststellen, dass die Menschen immer offener für Neues werden. Das passt alles super zusammen. Vor 15 Jahren wurden Exoten wie Chilibier, Rauchbier oder Geuze nur als Scherz gekauft. Damit wollte man einen Kumpel ärgern. Wirklich lecker fanden das die Wenigsten.

 

Unbegrenzte Vielfalt

Heute haben wir Kund*innen, die fragen, was es Neues gibt, zu denen ich sage: „Hier ein Imperial Stout mit Schokolade und Chili, wurde im Whiskey-Fass gelagert, kostet halt demensprechen fünfzehn Franken, aber…“ und sie unterbrechen mich mit: „Geil, nehme ich!“ Craft-Bier ist meiner Meinung nach bei der breiten Bevölkerung das am meisten unterschätzte Getränk überhaupt. Und das auch nur, weil sie die unglaubliche Vielfalt, die Craft-Bier mit sich bringt, einfach nicht kennen. Das geschmackliche und aromatische Spektrum, das Bier abdecken kann ist nahezu unbegrenzt. Und wie die heutigen kleinen und unabhängigen Brauereien mit den ganzen Variationsmöglichkeiten spielen, ist einfach fabelhaft. Ich liebe diese Vielfalt der Aromen, die ein komplexes Bier mit nur einem einzigen Schluck mit sich bringen kann, genauso wie ein grundsolides, gutes Lager, das eben nicht einfach nur nach Bier schmeckt, sondern schön die ganzen Einzelbestandteile in der Nase und am Gaumen aufzeigt. Es gibt über 150 Bierstile, über 200 Hopfensorten und eine riesige Auswahl an Malzen und Hefen. Das heisst, wenn man den gleichen Bierstil mit dem gleichen Wasser und dem gleichen Malz und Hefe braut und lediglich mit dem Hopfen variiert, bekommt man schon 200 Biere mit unterschiedlichen Geschmacks-Profilen. Sie können nach Zitrone, Lychee, Holunderblüte, Grapefruit, frisch gemähtem Gras oder Menthol schmecken. Wenn man nun noch mit Malz und Hefe variiert, die wiederum eine riesengrosse Palette an Aromen mitbringen, kann man sich leicht vorstellen, dass die Kombinationsmöglichkeiten und somit die Biervielfalt in der Tat unendlich sind.

 

Hach, ich liebe es einfach. Und das musste auch einmal gesagt werden.

Ich weiss ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe mich gerade durstig geschrieben.

Also: Auf das Craft Beer. Möge es uns noch lange Freude bereiten.

Cheers!

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